Ihr Schein in Wissensorganisation
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Glossar

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A

Abstraktionsbeziehung

Nach DIN 32 705, Abs. 3.3.2.1.1: "Die Abstraktionsbeziehung (auch generische, genus species-Beziehung genannt) besteht zwischen zwei Begriffen, wenn bei gleichem Merkmalbesitz ein Begriff ein zusätzliches Merkmal aufweist."

Eselsbrücke: Es ist möglich zu sagen, dass X (Unterbegriff) eine Art Y (Oberbegriff) ist: Edelmetalle sind eine Art Metall.

Beispiele für 'Abstraktionsbeziehung'

Additionsmethode

"... ist die Indexierungsmethode, nach der einem Dokument Deskriptoren zugeteilt werden, die im Dokument nicht verbal enthalten sein müssen. Zum Beispiel können Dokumente ohne Text nur nach der Additionsmethode indexiert werden." - z.B. Grafiken.

Quelle: DIN 31 623, Teil 1, Abschnitt 4.5.2

Additionsmethode steht im Gegensatz zu Extraktionsmethode.

Äquivalenzrelation

"... ist die Beziehung zwischen gleichwertigen Bezeichnungen (bedeutungsgleich oder bedeutungsähnlich), die zu einer Äquivalenzklasse zusammengeführt werden." (DIN 1463, Teil 1, Abs. 5.2). Äquivalenzrelationen bestehen zwischen Synonymen und Quasisynonymen. Eine der äquivalenten Benennungen wird zur Vorzugsbenennung erklärt.

In einem Thesaurus werden sie mit BS (für benutze Synonym) bzw. BF (benutzt für) gekennzeichnet.

HEIRAT
BS EHESCHLIESSUNG (Vorzugsbenennung)

EHESCHLIESSUNG (Vorzugsbenennung)
BF HEIRAT

RECHERCHE
BS RETRIEVAL (Vorzugsbenennung)

RETRIEVAL (Vorzugsbenennung)
BF RECHERCHE

Analytisch-synthetische Klassifikationen

... entstehen dadurch, dass die inhaltlichen Aussagen aus ausgewählten Dokumenten einer Domain in Einfachklassen zerlegt werden (Analyse). Erst beim Klassifizieren von Dokumenten oder Objekten werden die Einfachklassen zu differenzierten Klassen zusammengesetzt (Synthese). Es handelt sich also um Facettenklassifikationen - im Gegensatz zu enumerativen Klassifikationen.

Assoziationsrelation

"... ist eine zwischen Begriffen bzw. ihren Bezeichnungen als wichtig erscheinende Relation, die weder eindeutig hierarchischer Natur ist, noch als äquivalent angesehen werden kann." (DIN 1463, Teil 1, Abs. 5.4)

A. werden in einem Thesaurus mit VB (Verwandter Begriff) gekennzeichnet. Sie verweisen gegenseitig aufeinander (= reziproke Verweisung):

VATER
VB SOHN

SOHN
VB Vater

BUCH
VB LESEN

LESEN
VB BUCH

B

Begriff

"Die gedankliche Zusammenfassung von individuellen Gegenständen zu gedachten "allgemeinen Gegenständen" führt zu Denkeinheiten, die als "Begriffe" bezeichnet werden." (DIN 2330, Abschnitt 3.1)

Wissensorganisation unterscheidet klar zwischen Begriff und Benennung. Ein Begriff kann nämlich mehrere Benennungen haben: Begriff "Entzündung des Blinddarms" -> Benennungen: "Blinddarmentzündung" oder "Appendizitis"; es handelt sich also um Synonyme. Eine Benennung kann auch für mehrere Begriffe stehen: Krebs <Medizin>, Krebs <Zoolgie>, Krebs <Astrologie>; es handelt sich also um Homonyme.

Begriffsinhalt siehe Klasseninhalt
Begriffsrelation

Beziehung zwischen Begriffen, die in Thesauri oder Schlagwortsystemen dargestellt werden, wie z.B. Abstraktionsrelation, Äquivalenzrelation, Assoziationsrelation, Bestandsrelation, Hierarchierelation. Beispiele

Begriffsumfang siehe Klassenumfang
Begriffszerlegung

"Um die Anzahl der Deskriptoren überschaubar zu halten, kann es nützlich sein, Begriffe nicht durch die sie üblicherweise repräsentierenden Bezeichnungen, sondern durch Kombination bereits vorhandener Deskriptoren darzustellen."

morphologische Zerlegung:
Blumengesteck -> Blumen + Gesteck

semantische Zerlegung:
Eisenbahn -> Schienenbahn + Überlandsverkehr

Vorsicht: Eisenbahn ist nicht Eisen + Bahn!

(Quelle: DIN 1463, Teil 1, Abs. 4.2.2.1)

Benennung

"... ist die mindestens ein Wort umfassende Bezeichnung eines Begriffs." (DIN 2330, Abs. 3.5.3)

Bestandsbeziehung

Nach DIN 32 705, Abs. 3.3.2.1.2: "Eine Bestandsbeziehung (partitive Beziehung oder Partitionsbeziehung) besteht zwischen zwei Begriffen, wenn ein Begriff sich auf ein Ganzes und der andere auf einen Teil dieses Ganzen bezieht."

Beispiele für 'Bestandsbeziehung'

Bezeichnung siehe Benennung
Browsing

Stöbern, navigieren mit Hilfe von Hyperlinks.

C

Citation Order

"Der Terminus 'Citation Order' stammt aus dem Bereich der facettenklassifikation und bezieht sich auf die Ordnung, in der die Einfachklassen zitiert werden, wenn man sie zur Bildung von differenzierten Klassen oder komplexen Klassen aneinanderreiht. Dabei repräsentiert die als erste zitierte Klasse die Sachverhalte, deren Dokumente zusammengehalten werden, und die als letzte zitierte Klasse diejenigen, deren Dokumente am weitesten verstreut sind. In präkombinierten Systematiken ist darunter die Reihenfolge zu verstehen, in der die Einteilungsmerkmale auf das zu unterteilende Ganze angewendet werden."

(Quelle: Buchanan: Bibliothekarische Klassifikationstheorie. 1989, S. 40)

Beispiel

Citation Order, Entscheidung für

Die 3 allgemeinsten Regeln für die Entscheidung für eine Citation Order sind:

  1. vom Speziellen zum Allgemeinen
  2. vom Inhalt zur Form
  3. vom Material oder Objekt zur Tätigkeit

Der spezielle Aspekt ist in der Regel fachbezogen, ein allgemeinerer Aspekt ist oft universell anwendbar, wie z.B. Zeit oder Ort. Der allgemeinste Aspekt muss keinen inhaltlichen Bezug haben, z.B. Form oder Genre

entsprechende Beispiele:

  1. Klassifikation für Musikinstrumente: Instrumentenart > Ort. Der Aspekt 'Instrumentenart' wird zusammengehalten (Schlagzeuge unterteilt in Länder)
  2. Klassifikation für Kunstgeschichte: Dokumentinhalte > Dokumentformen. Der Aspekt 'Inhalt des Dokuments' wird zusammengehalten (Inhalte über Malerei unterteilt in Monographien, Zeitschriften, CDs, DVDs)
  3. Klassifikation für Bibliothekswissenschaften: Medien > Medienbearbeitung. Der Aspekt 'Medien' wird zusammengehalten (Medium Spiele unterteilt in Erwerbung, Katalogisierung, Inhaltserschließung, Aufstellung, Ausleihe)

Eine wesentliche Regel kann die 3 allgemeinen aufheben: Zielgruppenorientierung.

Beispiel:

Wenn Sie z.B. eine Sammlung für Kunden aufbauen, denen es wichtiger ist, alle Dokumente über Tätigkeiten in Bibliotheken zusammenzuhalten, dann können Sie die Citation Order Tätigkeiten > Medien wählen. Dann würde z.B. die Tätigkeit 'Erwerbung' unterteilt in CDs, DVDs, Monographien, Spiele, Zeitschriften, etc. und jede andere Tätigkeit genauso.

Grafik

D

Dekomposition

Die Trennung von Komposita in ihre Bestandteile, z.B. Fachwerkhaus in Fachwerk + Haus.

Deskriptor

"... ist eine Bezeichnung (Vorzugsbezeichnung), die zur Inhaltskennzeichnung (Indexierung) zugelassen ist."

Quelle: DIN 1463 Teil 1, Abschnitt 2.4

Differenzierte Klassen ...

... sind Klassen "zu deren Bestimmung mehr als ein Merkmal herangezogen wird."

(Quelle: Buchanan: Bibliothekarische Klassifikationstheorie. 1989, S. 18)

In einer Klassifikation für Literaturwissenschaften ist 'Barocklyrik' eine differenzierte Klasse; sie wird durch die Merkmale 'Gattung' und 'Epoche' bestimmt. 'Lyrik' dagegen ist eine Einfachklasse.

disambiguieren

Ambig / ambigue bedeutet 'mehrdeutig'. Disambiguieren bedeutet entsprechend 'eindeutig machen'. Typische Beispiele für Mehrdeutigkeit sind Homonyme wie Krebs, Schimmel, Bank, Ball. 'Krebs' kann als Suchbegriff durch Eingabe eines Codes für ein Fachgebiet wie Medizin, Astrologie, Zoologie eindeutig gemacht werden.

disjunkt

2 Klassen einer Klassifikation sind disjunkt, wenn sich ihr jeweilige Umfänge nicht überschneiden, also gegenseitig ausschließen.

Dokumentationssprache

"... ist eine Menge von Ausdrücken, die nach bestimmten Regeln zur Beschreibung von dokumentarischen Bezugseinheiten zum Zweck der gezielten Wiederauffindung (Retrieval) dienen. Dokumentationssprachen sind z.B. Schlagwortsysteme, Thesauri und Klassifikationen.Sie enthalten Bezeichnungen aus natürlichen und/oder künstlichen Sprachen."

Quelle: DIN 31 623, Teil 1, Abschnitt 3.2

Bezeichnungen aus natürlichen Sprachen sind Wörter oder Wortkombinationen; Bezeichnungen aus künstlichen Sprachen z.B. Notationen einer Klassifikation.

Domain

In der Wissensorganisation bedeutet eine Domain 'Anwendungsbereich'. Gemeint ist der Anwendungsbereich, für den das Wissen formalisiert dargestellt wird. Beispiele: Eine Klassifikation für den Bereich (Domain) 'muskelbetriebene Fahrzeuge', ein Thesaurus für den Bereich (Domain) Stadtplanung, eine Wissensbasis für die Domain 'Knochenmarktransplantation'.

Drill-Down

Schrittweise Eingrenzung einer großen Datenausgangsmenge zu einer passenden Treffermenge. Der Ausgangspunkt ist in der Regel die gesamte Datenmenge. Für das Drill-Down werden Facetten oder andere Filter präsentiert, die durch Anklicken die Datenmenge um diesen Aspekt präzisieren. OPAC mit Drill-Down-Möglichkeit: beluga

E

Einfachklassen

"Einfachklassen enthalten Gegenstände, zu deren Bestimmung nur ein Merkmal herangezogen wird."

(Quelle: Buchanan: Bibliothekarische Klassifikationstheorie. 1989, S. 18)

In einer Klassifikation für die Literaturwissenschaften ist 'Lyrik' eine Einfachklasse. 'Barocklyrik' dagegen ist eine differenzierte Klasse.

Einheitsklassifikation

Eine gemeinsame K., auf die sich Bibliotheken unterschiedlicher Größe und Sparten geeinigt haben.

Enumerative Klassifikationen

... führen jede Klasse des Klassifikationssystems auf. Diese "traditionelle Methode besteht darin, von der Existenz eines Universums menschlichen Wissens auszugehen... Dieses Wissen wird in immer spezifischere Klassen eingeteilt, wobei alle erforderlichen Einfach-, differenzierte und Verbundklassen bereits enthalten sind." E. werden häufig auch 'präkombinierte Klassifikationen' genannt - im Gegensatz zu analytisch-synthetischen, bzw. Facettenklassifikationen.

(Quelle: Buchanan: Bibliothekarische Klassifikationstheorie. 1989, S. 27)

Extraktionsmethode

"... ist die Indexierungsmethode, nach der Deskriptoren dem Dokument entnommen werden."

Quelle: DIN 31 623, Teil 1, Abschnitt 4.5.1

Extraktionsmethode steht im Gegensatz zu Additionsmethode.

F

Faceted Browsing (= View-based Browsing)

Möglichkeit des Stöberns und gleichzeitig des Filterns in einer digitalen Sammlung: Die Suchoberfläche visualisiert unterschiedliche Sichten auf ein und dieselbe Sammlung von digitalen Objekten. Diese Sichten kann man mit Facetten gleichsetzen, daher auch Faceted Browsing.

Beispiel: Stöbern in einer Sammlung von (Musik-)Sounddateien. Sichten (oder Facetten) auf die Sammlung können z.B. sein: Interpret, Komponist, Stimmung, Genre, Jahr etc. Man kann die Suche aus einer Sicht, z.B. Genre, beginnen; man kann die Treffer durch Kombination mit einer 2. Sicht filtern, z.B. mit Stimmung. Man kann die gefilterten Treffer durch eine 3. Sicht verfeinern etc. Flamenco Fine Arts Search ist ein Beispiel; probieren Sie es aus.

Facette

Eine Facette fasst alle Foci zusammen, die ein und denselben Aspekt eines Wissensgebietes repräsentieren. Beispiel: Der Aspekt der Gattung bildet eine Facette auf dem Gebiet der Literaturwissenschaften. Die Facette umfasst Foci wie Drama, Erzählende Literatur, Lyrik etc.

Facettenklassifikation

Im Gegensatz zu enumerativen oder präkombinierten Klassifikationen, die alle Klassen aufzählen, führen F. nur Einfachklassen auf, die beim Klassifizieren zu komplexeren Klassen kombiniert werden. Der Klassifikation liegt eine Analyse des entsprechenden Fachgebiets (z.B. Literaturwissenschaften) in seine typischen Aspekte (Facetten) zugrunde (z.B. Geographische Herkunft - Epoche - literarische Gattung). Wird ein Dokument klassifiziert (z.B. Shakespeares Sonette) werden die entsprechenden Klassen (Foki) aus den entsprechenden Facetten zusammengesetzt zu einer komplexen Klasse: Englische Literatur - Dichtung - 17. Jahrhundert).

Heute werden F. in intuitiv nutzbaren User Interfaces abgebildet; der Nutzer kann die zu kombinierenden Foci anklicken und als Filter verwenden. Eine Citation Order spielt in digitalen Darstellungen dieser Wissensorganisation keine Rolle mehr.

Focus (Plural: Foci)

Eine Facettenklassifikation führt ausschließlich Einfachklassen auf und bezeichnet sie als Foci (Singular: Focus).

(Quelle: Buchanan: Bibliothekarische Klassifikationstheorie. 1989, S. 47)

Freies Vokabular

"Indexierung mit freiem Vokabular ist die Indexierungsmethode, bei der die Deskriptoren nicht einem verbindlichen Vokabular entstammen müssen."

Quelle: DIN 31 623, Teil 1, Abschnitt 4.7.1

Funktionsbeziehung

Nach DIN 32 705, Abs. 3.3.2.3: "Eine Funktionsbeziehung besteht zwischen zwei oder mehreren Begriffen, wenn diese in einem syntaktischen Verhältnis zueinander stehen."

Beispiele für 'Funktionsbeziehung'

G

gemischtes Notationssystem

Gemischte Notationssysteme verwenden mehr als eine Art von Zeichen, meist Buchstaben und Ziffern.

Typische Beispiele sind die SfB (Systematik für Bibliotheken) und die ASB (Allgemeine Systematik für öffentliche Bibliotheken). Notation aus der SfB: rel 155 (Indische Religionen). Notation aus der ASB: Epm 1 (Geschichte Mexikos).

Gleichordnende Indexierung (= coordinate indexing) <-> Syntaktische Indexierung

"... die Indexierungsmethode, bei der die Deskriptoren oder Notationen unabhängig von ihrem hierarchischen Niveau und von ihren dokumentspezifischen Zusammenhängen gleichrangig nebeneinander gestellt und dem betreffenden Dokument zugeordnet werden ..."

Quelle: DIN 31 623 Teil 1, Abs. 4.2.1

H

Hierarchisches Notationssystem

Hierarchische Notationen bilden das Über- und Unterordnungsverhältnis der Klassen ab - im Gegensatz zu sequentiellen Notationen.

Hierarchische N. lassen sich bei Online-Recherchen trunkieren (Beispiel), sequentielle N. sind kürzer.

hierarchische
Notationen

sequentielle Notationen

796.3 Ballspiele

HKE Ballspiele

796.33 Ballspiele mit dem Fuß

HKF Ballspiele mit dem Fuß

796.333 Rugby + amerikanischer Fußball

HKG Fußball

796.334 Fußball

HKH Hockey

796.34 Ballspiele mit Schlägern

HKI Polo

796.342 Tennis

HKJ Lacrosse

(Quelle: Buchanan: Bibliothekarische Klassifikationstheorie. 1989, S. 79)

Homonym

Benennung für mehrere Begriffe, z.B. Krebs im Bereich Zoologie, Medizin oder Astrologie. In Dokumentationssprachen werden Homonyme disambiguiert, damit eine 1:1-Relation von Begriff und Benennung gewährleistet ist.

Homonymenkontrolle siehe Polysemenkontrolle
Hospitalität in array (Nebenordnung)

... die Möglichkeit, die das Notationssystem bietet, in Nachhinein nebengeordnete Klassen aufzunehmen. Nebengeordnete Klassen sind auf ein und derselben Hierarchiestufe und einer gemeinsamen Oberklasse untergeordnet. Im Beispiel unten sind alle Arten von Zupfinstrumenten auf ein und derselben Hierarchiestufe und der Klasse Zupfinstrumente untergeordnet.

Die DDC, 18. Ausgabe, bietet keine Möglichkeit, Klassen für weitere Zupfinstrumente einzufügen. Die Klasse 'Sonstige Zupfinstrumente' ist eine Verlegenheitslösung.

787.5 Harfen
787.6 Gitarren
787.7 Banjos
787.8 Zithern
787.9 Sonstige Zupfinstrumete

(Quelle: Buchanan: Bibliothekarische Klassifikationstheorie. 1989, S. 90)

Hospitalität in chain (Über- / Unterordnung)

... die Möglichkeit, die das Notationssystem bietet, unter- und übergeordnete Klassen aufzunehmen, also eine neue Hierarchiestufe zu eröffnen.

Die Basisklassifikation bietet keine Möglichkeit, eine Klasse für 'Schizophrenie' der Klasse 44.91 Psychiatrie, Psychopathologie unter zu ordnen. Die nächste Notation ist bereits 44.92 für 'Gynäkologie'. Außerdem sieht die BK nicht mehr als 4 Ziffern für ihr Notationssystem vor.

I

Indexat -> Indexierungsbezeichnung
Indexierungsbezeichnung oder Indexat

... ist der Oberbegriff für alle Benennungen, die zur Indexierung verwendet werden, z.B Stichwörter, Schlagwörter, Deskriptoren oder Notationen.

Indexierungsbreite

Die Indexierungsbreite gibt bezogen auf den fachlichen Inhalt eines Dokuments den Grad der Erschließung an; sie kommt in erster Annäherung in der Anzahl der vergebenen Deskriptoren oder Notationen zum Ausdruck.

(Quelle: DIN 31 623: Teil 1: Begriffe, Grundlagen (Sept. 1988), Abschnitt 5)

Eine gute Indexierungsbreite wird erreicht, wenn alle wesentlichen inhaltlichen Aspekte des Dokuments bei der Indexierung berücksichtigt werden. Beispiel

Indexierungskonsistenz

Indexierungskonsistenz ist das Maß der Übereinstimmung verschiedener Indexierungsergebnisse des gleichen Dokuments in derselben Dokumentationssprache. Sie kommt in erster Annäherung zum Ausdruck durch das Verhältnis der gemeinsam vergebenen Deskriptoren oder Notationen zur Gesamtzahl aller vergebenen Indexierungsbezeichnungen.

(Quelle: DIN 31 623: Teil 1: Begriffe, Grundlagen (Sept. 1988), Abschnitt 5)

Eine gute Indexierungskonsistenz wird erreicht, wenn für dieselben Inhalte immer dieselben Indexate vergeben werden, so dass möglichst wenig Informationsverlust entsteht.

Indexierungsspezifität

Die Indexierungsspezifität gibt an, wie allgemein oder wie spezifisch die vergebenen Deskriptoren oder Notationen bezogen auf den Dokumenteninhalt sind; sie kommt in erster Annäherung durch das hierarchische Niveau der Indexierungsbezeichnungen zum Ausdruck.

(Quelle: DIN 31 623: Teil 1: Begriffe, Grundlagen (Sept. 1988), Abschnitt 5)

Eine gute Indexierungsspezifität wird erreicht, wenn bezogen auf die Inhalte eines Dokuments möglichst enge bzw. spezifische Indexate vergeben werden. Beispiel

Indexierungstiefe

Indexierungstiefe ist eine Kombination von Indexierungsbreite und -spezifität und gibt die Genauigkeit der Wiedergabe des Dokumenteninhalts durch das Indexierungsergebnis an. Sie kommt in erster Annäherung durch die Anzahl der vergebenen Deskriptoren oder Notationen unter Berücksichtigung ihres hierarchischen Niveaus zum Ausdruck. Dies bedeutet, dass im konkreten Fall von zwei Indexierungsergebnissen des gleichen Dokuments mit gleicher Anzahl von Deskriptoren oder Notationen dasjenige tiefer ist, das die spezifischeren Bezeichnungen enthält. Beispiel

(Quelle: DIN 31 623: Teil 1: Begriffe, Grundlagen (Sept. 1988), Abschnitt 5)

Individualklassifikation

Eine K., die für eine individuelle Dokumentation oder Bibliothek konzipiert und angewendet wird.

Informationsballast <-> Informationsverlust

Im Kontext von Datenbankrecherchen spricht man von Informationsballast, wenn ein Anwender Datensätze wiedergewinnt, die nicht dem gewünschten Thema entsprechen. I. ensteht z.B. durch mangelnde Homonymen- und Polysemkontrolle, Verwendung zu weiter Begriffe, Mangel an syntaktischer Indexierung.

Informationsverlust <-> Informationsballast

Im Kontext von Datenbankrecherchjen spricht man von Informationsverlust, wenn ein Anwender nicht alle Datensätze wiedergewinnt, die seinem Thema entsprechen. I. ensteht z.B. durch mangelnde Synonymenkontrolle, mangelnde Dekomposition von Komposita, Verwendung zu enger Begriffe und allgemein durch freies Indexieren.

K

Klasse

Nach DIN 32 705, Abs. 2 (Begriffe): "Eine Klasse ist die Zusammenfassung derjenigen Begriffe, die mindestens ein identisches Merkmal haben". Ist die Klasse Teil einer Klassifikation muss dieses gemeinsame Merkmal eines sein, "das die Mitglieder anderer Klassen nicht besitzen." (Quelle: Brian Buchanan: Bibliothekarische Klassifikationstheorie. München u.a.: Saur, 1989. S. 9)

Klassem

Das Merkmal, auf dem eine Klassenbildung beruht. Das Klassem zeigt, dass einander nahe Klassen wirklich disjunkt sind.

Beispiele für 'Klassem'

Klassenbenennung, auch Klassenbeschreibung

Die verbale Beschreibung einer Klasse in einem Klassifikationssystem.

787.8 Zithern
787.9 Sonstige Zupfinstrumente

Klasseninhalt

... ergibt sich aus der Anzahl der Merkmale, die diese Klasse definieren. Je geringer der Klasseninhalt, desto größer ihr Umfang:

'Spanische Literatur' ist innerhalb der Klasse Literatur definiert durch ein zusätzliches Merkmal: [+spanisch]. 'Spanische Lyrik' hat einen größeren Klasseninhalt: [+spanisch, +Lyrik]. Die Dokumente, die in die Klasse 'Spanische Lyrik' eingeordnet werden können, sind durch den sprachlichen und den Gattungsaspekt eingegrenz: Der Klassenumfang ist also kleiner.

Klassenumfang

... ergibt sich aus der Anzahl der Gegenstände, die dieser Klasse zugeordnet werden können. Je größer der Klassenumfang, desto kleiner der Klasseninhalt.

Klassifikationssystem

An Ihren Beispielen sehen Sie, dass Klassen zueinander in Beziehung stehen. Sie bilden ein System, z.B. ein Klassifikatinssystem einer bestimmten Wissenschaft. Ein K. ist also "die strukturierte Darstellung von Klassen und der zwischen ihnen bestehenden Begriffsbeziehungen." (DIN 32 705)

Koextension

Erstreckung des Indexats über den zu indexierenden Inhalt. Ein Indexat ist koextensiv oder hat eine gute Koextension, wenn es die wesentlichen Aspekte des zu indexierenden Inhalts darstellt. Syntaktische Indexate haben in der Regel eine bessere Koextension. Beispiel:

Universities. Curriculum. Revision. Attitudes of students
Curriculum. Universities. Revision. Attitudes of students
Attitudes. Students. Universities. To revision of curriculum
Students. Universities. Attitudes to revision of curriculum

bietet eine bessere Koextension und damit einen präziseren Zugriff auf eine Sammlung als jedes einzelne Schlagwort in boolscher Verknüpfung.

Beispiel aus Derek Austin: PRECIS in a Multilingual Context. In: Libri 26 (1976) no. 1 S. 24

Kompositum (sg.) / Komposita (pl.)

Ein aus mehreren Lexemen zusammengesetztes Wort, z.B. Blumen-strauß.

Kontrolliertes Vokabular

Eine Sammlung von Indexierungstermini, deren Begriffsbeziehungen für die Informationswiedergewinnung eindeutig festgelegt sind. Dazu gehören: Zusammenführung von Synonymen und Quasisynonymen zu einer Vorzugsbenennung, Aufführung von hierarchischen Beziehungen zwischen Indexierungstermini, Verweisungen zwischen verwandten Begriffen, Markierung von Homonymen, etc. Thesauri enthalten ein kontrolliertes Vokabular.

M

Mnemotechnisches Notationssystem

Notationssystem mit leicht merkbaren Notationen

Monohierarchie

nach DIN 32 705, Abs. 3.3.2.1 eine Begriffsleiter, in der "einer der Begriffe den anderen im Begriffsumfang umfasst ... Ein Begriff kann aber auch als Unterbegriff verschiedener Oberbegriffe dargestellt werden ... Eine solche Darstellung wird polyhierarchische Darstellung genannt." Beispiel

Morphologische Zerlegung

Gehört in den Kontext Thesauruserstellung. Die morphologische Zerlegung zerlegt eine Benennung in ihre morphologischen Bestandteile. Beispiel: "Eisenbahn" würde in "Eisen" + "Bahn" zerlegt - eine widersinnige Terminologiekontrolle. Korrekt ist die semantische Begriffszerlegung.

N

Nicht-Deskriptor

"... ist eine Bezeichnung, die nicht zur Indexierung zugelassen, aber im Thesaurus aufgeführt und entsprechend gekennzeichnet ist, um dem Benutzer den Zugang zu den Deskriptoren des Thesaurus zu erleichtern."

(Quelle: DIN 1463 Teil 1, Abschnitt 2.5)

Normklassifikation

... eine bestandsunabhängige Klassifikation, z.B. die ASB (Allgemeine Systematik für Bibliotheken) oder die UDK (Universelle Dezimalklassifikation).

Normung (bei Klassifikationen)

Lassen sich verschiedene Oberklassen eines Fachgebiets mit immer den gleichen Unterklassen unterteilen, wird eine genormte Reihenfolge dieser Unterklassen verwendet. Dadurch wird eine gewisse Konsistenz und damit ein Gewöhnungseffekt bei den Nutzern bezweckt. Ein Beispiel finden Sie in LE 2.3 (Notationen): Dokumente über Sprachen werden hier immer in der gleichen Reihenfolge der verschiedenen Sprachebenen untergliedert.

Notation

Jede Klasse in einem Klassifikationssystem erhält einen Code, die so genannte Notation. Notationen sind sortierfähig und bezeichnen die Stelle einer Klasse in der Abfolge aller Klassen in einem Klassifikationssystem. Häufig bezeichnen sie zusätzlich die Hierarchiestufe der Klasse in Relation zu anderen Klassen.

787.8 Zithern
787.9 Sonstige Zupfinstrumente

"Eine Notation muss oder kann folgenden Zwecken dienen:

  • die Systemstellen eines Klassifikationssystems formal darstellen
  • als Kurzform der Klassenbenenung dienen.
  • ...

(Quelle: DIN 32 705, Abschnitt 5.2.2)

O

Ontologie

Wikipedia: Ontologie (Informatik)

Hier sehen Sie den Maschinen lesbaren Teil einer Wein-Ontologie. Ohne das Format im Einzelnen verstehen zu können, sehen Sie, wie Folgendes spezifiziert wird:

  • Wein ist eine Unterklasse von trinkbare Flüssigkeit ("#POTABLE-LIQUID")
  • Wein hat einen Produzenten ("#MAKER"),
  • der ein ein Winzer ist ("#WINERY")
  • Wein wird aus Trauben gemacht: "#GRAPE-SLOT"
  • Wein stammt aus einer Weingegend: "#REGION" -> "#WINE-REGION"
  • Wein hat folgende Eigenschaften: Zuckergehalt "#WINE-SUGAR", Geschmack "#WINE-FLAVOR", Körper "#WINE-BODY", Farbe "#WINE-COLOR"

Ontologien versuchen also, einen Ausschnitt aus der Realität zu beschreiben und somit recherchierbar zu machen.

P

paradigmatische Beziehungen

Paradigmatische Relationen in natürlichen Sprachen bzw. in Dokumentationssprachen bestehen zwischen Wörtern bzw. Deskriptoren, die (vertikal) füreinander einsetzbar sind:

Heilpflanzen / ayurvedische Medizin
Ingwer /ayurvedische Medizin
Anis / ayurvedische Medizin

Paradigmatische Beziehungen werden in Dokumentationssprachen durch einen Thesaurus geregelt. Sie existieren unabhängig von Dokumentinhalten.

siehe auch Syntagmatische Beziehungen

partitive Beziehung siehe Bestandsbeziehung
Permutation

Umstellung von Schlagwörtern (SWW) in einem syntaktischen Indexat (z.B. in einer SW-Kette). Zweck: In einer Listendarstellung der syntaktischen Indexate soll jedes sinnvolle SW einmal am Anfang des syntaktischen Indexats stehen, damit es im Alphabet der Indexate gefunden werden kann.

Permutationsmuster

Nach RSWK permutieren SWW einer Grundkette nach bestimmten Regeln, die vereinfacht als 'Muster' dargestellt werden, z.B.:

Geographikum ; Sache 1 ; Sache 2 ; Zeit ; Form
Permutationsmuster:
s 1 ; s 2 ; g ; z ; f
s 2 ; s 1 ; g ; z ; f

Polyhierarchie

Nach DIN 32 705, Abs. 3.3.2.1 Darstellung eines Begriffs als Unterbegriff verschiedener Oberbegriffe - im Gegensatz zu Monohierarchie. Beispiel

Polyseme

"... sind Bezeichungen, die ausgehend von einer Bedeutung, durch Übertragung, Analogie, geschichtliche oder regionale Auseinanderentwicklung zu unterschiedlichen Bedeutungen geführt haben..."

(Quelle: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation. Hrsg. Rainer Kuhlen et al. - 5., völlig neu gefasste Ausg.- Bd. 2: Glossar. Zus.gestellt u. redigiert von Dietmar Strauch.- München u.a.: Saur, 2004.- S. 97).

Ein Beispiel ist "Pferd" als Tier, Sportgerät, Schachfigur.

Polysemenkontrolle / Homonymenkontrolle

"Die unterschiedlichen Bedeutungen Homonymen (Homographen) und Polysemen müssen durch näher bestimmende Zusätze kenntlich gemacht werden, die in Klammern unmittelbar hinter das Homonym oder Polysem gesetzt werden..."

Kiefer (Knochen)
Kiefer (Nadelholz)

(Quelle: DIN 1463, Teil 1, Abs. 4.3.1)

Postkoordination

Bei P. werden die Indexierungsbezeichnungen erst beim Vorgang des Retrievals mit einander verknüpft. Ein klassisches Beispiel ist die Verknüpfung von Suchtermini mit booleschen Operatoren. Die Dokumentationssprache enthält entsprechend zerlegte Indexierungsbezeichnungen, z.B. anstatt Elektrische Längenmessung -> Längenmessung + elektrische Messung. Beispiele

Präkombination

Bei P. liegen die Indexierungsbezeichnungen im Vokabular der Dokumentationssprache fertig verknüpft vor. Die Dokumentationssprache enthält entsprechend lange, komplexe Indexierungsbezeichnungen. Beispiele sind Komposita, fertige Schlagwortkombinationen und Notationen für differenzierte Klassen. Beispiele

Präkoordination

Bei P. werden die Indexierungsbezeichnungen während des Indexierens mit einander verknüpft. Beispiele sind Schlagwortketten, die Verknüpfung von Notation und Schlüssel und die Synthese mehrerer Notationen von Einfachklassen aus Facettenklassifikationen zu komplexen Klassen. Die Dokumenationssprache arbeitet möglicherweise mit Rollenindikatoren. Beispiele

R

Recall

Vollständigkeit. Für Benutzer stellt es ein wesentliches Qualitätskriterium dar, wieviele relevante Dokumente ein Retrievalsystem auf eine Anfrage nachweist, d.h. wie vollständig das Retrievalergebnis ist... (aus: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation. Hrsg. Rainer Kuhlen et al. - 5., völlig neu gefasste Ausg.- Bd. 2: Glossar. Zus.gestellt u. redigiert von Dietmar Strauch.- München u.a.: Saur, 2004.- S. 128)

Register (einer Klassifikation)

... bietet einen verbalen (alphabetischen) Zugriff auf die Tafeln einer Klassifikation. Dadurch erleichtert es das Auffinden einer Klasse in den hierarchisch angeordneten Tafeln. Dabei beschränken sich Regsiter auf die in der Klassifikation enthaltenen Benennungen. Ein weitergehender alphabetischer Zugriff bezieht weitere plausible Zugriffswörter aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit mit ein.

"... bei Registern sollen sämtliche Benennungen des Klassifikationssystems in alphabetischer Reihenfolge als Eingang dienen. Registerausgang ist jeweils die Notation, die auf die entsprechende Klasse verweist." Beispiel aus ASB; Beispiel aus DDC

(Quelle: DIN 32 705, Abs. 7.3)

reines Notationssystem

Reine Notationssysteme verwenden nur eine Art von Zeichen, entweder Ziffern oder Buchstaben.

Gute Beispiele für reine Notationssysteme ist die DDC (Dewey Decimal Classifikation)und die BK (Basisklassifikation). Sie bestehen ausschließlich aus arabischen Ziffern.

Rollenindikator

beim syntaktischen Indexieren: "... unselbständiges Element einer Dokumentationssprache, das die Rolle des Deskriptors in seinem jeweiligen dokumentspezifischen Zusammenhang angibt. Rollenindikatoren können z.B. folgende Rollen ausdrücken: Subjekt, Objekt, Teil, Hilfsmittel, Handlung, Aspekt, Ort."

Quelle: DIN 31 623 Teil 3, Abs. 7.4.2

Beispiel:

Rollenindikatoren seien:

(E) = Exportland
(I) = Importland
(W) = Ware

Das Thema sei: Export von Kraftfahrzeugen von Frankreich nach Deutschland

Syntaktisches Indexat mit Rollenindikatoren:

(E) Frankreich ; (I) Deutschland ; (W) Kraftfahrzeug

S

Schlagwort

".. ist eine terminologisch kontrollierte Bezeichnung für einen Begriff aus einem Dokumenteninhalt"

Quelle: RSWK § 1,7

Schlüsselung

Umfangreichere Klassifikationen verfügen über Schlüssel. Typische Schlüssel sind immer wiederkehrende Aspekte in Klassifikationen wie der Zeitaspekt, der geographische Aspekt oder die Form des Dokuments, denn viele Klassen lassen sich nach diesen Aspekten untergliedern. Klassifikationen würden extrem umfangreich, wenn sie jede in Frage kommende Klasse noch einmal geographisch oder chronologisch untergliedern würden. Stattdessen bildet man für diese Untergliederungsaspekte gesonderte Klassifikationen dieser Aspekte (auch Hilfstafeln genannt) mit Notationen, die an die zu untergliedernde Klasse angehängt werden können.

* Erste Ebene des Geographischen Schlüssels der UDK
* Erste Ebene des Formschlüssels der UDK
Demnach hätte eine Bibliographie zur asiatischen Medizin die Notation 61(5)(01).

Scope Note

"... eine kurze Erklärung des beabsichtigten Gebrauchs eines Deskriptors... Sie werden durch das Kurzzeichen H (Hinweis) gekennzeichnet." (DIN 1463, Teil 1, Abs. 4.3.2) - oder im Englischen durch SN. Beispiele:

INDEXING
SN ASSIGNING OF NATURAL LANGUAGE TERMS TO DOCUMENTS

BEARS
SN DOES NOT INCLUDE PANDAS

Quelle: Tim Craven: Tutorial on Thesaurus Construction, Section 7 Scope Notes; updated: January 25, 2008, aufgerufen 01. Mai 2008

Semantische Zerlegung

Gehört in den Kontext Thesauruserstellung. Die semantische Begriffszerlegung zerlegt einen Begriff in seine (bereits im Thesaurus vorhandenen) Bestandteile.

Beispiel: "Eisenbahn" wird als Deskriptor nicht verwendet, sondern eine Kombination von den zwei im Thesaurus vorhandenen Deskriptoren "Schienenbahn + Überlandverkehr"

sequentielles Notationssystem

"Eine sequentielle Notation gibt Auskunft über die relative Lage der Systemstelle in der Sequenz. Die Hierarchieinformation muss gegebenenfalls auf andere Weise festgehalten werden (z.B. durch Einrücken in der hierarchischen Liste und/oder durch einen hierarchischen Ebenenindikator, der an die Notation angehängt wird)."

Quelle: DIN 32 705, Abs. 5.2.4.2.

Sequenz heißt Abfolge: Die Notationen spiegeln die Abfolge der Klassen wider, nicht aber ihre Hierarchien untereinander.

Unterschied hierarchisches / sequentielles Notationssystem

Signatur

... ist eine individuelle Nummer für ein Dokument und kennzeichnet seinen genauen Standort in einem Bestand. Sie wird für die 'Lagerverwaltung', also z.B. für die Identifikation ausgeliehener Bücher oder für die Inventur, verwendet. Die S. hat also im Gegensatz zur Notation keine Funktion für die Wissenorganisation.

Spezialklassifikation

nach DIN 32 705, Abs. 4.1.2: "ist ein Klassifikationssystem, das sich auf einen speziellen Gegenstandsbereich bezieht, d.h. auf eine Disziplin, z.B. Mathematik, einen speziellen Objektbereich, z.B. Mineralien, oder einen speziellen Aufgabenbereich, z.B. Umweltschutz."

Stichwort

... ist eine dem Wortlaut einer dokumentarischen Bezugseinheit (meist Titel und/oder Abstrakt) zum Zweck der Indexierung unverändert entnommene Benennung. In der Regel geschieht dies maschinell.

strukturabbildendes Notationssystem

Über- und Unterordnungsverhältnisse der Klassen und ihre syntaktischen Beziehungen zu einander sind in der Notation abgebildet. Man kann sehen wie und aus welchen Bestandteilen die Notation zusammengesetzt ist - deshalb 'strukturabbildend'. Strukturabbildende Notationen sind länger als sequentielle Notationen, die nicht aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzt sind.

Ein gutes Beispiel für strukturabbildende Notationen sind die der UDK:

Die Notationen sind hierarchisch, können mit Schlüsseln versehen und sogar mit einander kombiniert werden. Die syntaktische Beziehung zwischen Notation und Schlüssel oder zwischen mehreren (zusammengesetzten) Notationen wird durch besondere Indikatoren gekennzeichnet: :

+ zwischen zwei Notationen bildet eine neue Klasse aus 2 separaten Klassen: 541 + 66 = theoretische und angewandte Chemie

: zwischen zwei Notationen setzt zwei Klassen zu einander in Beziehung: 629.114.4:631 = Lastkraftwagen in der Landwirtschaft

(Quelle für die Beispiele: Hans-Jürgen Manecke: Klassifikation. In: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation. Hrsg. Marianne Buder et al.- 4. völlig neu gefasste Ausg.- München u.a.: Saur, 1997. S. 150)

Suchterminus

... ist die Benennung, mit der ein Kunde in einem Information Retrieval System tatsächlich sucht.

Surrogat

Behelfsmäßiger Ersatz

Synonym

Ein Fall von einem Begriff (gedankliche Einheit) mit mehreren Benennungen, z.B. Apfelsine, Orange. Synonyme werden bei der Terminologiekontrolle zu Äquivalenzklassen zusammengeführt, damit Dokumente gleichen Inhalts nicht verstreut unter unterschiedlichen Benennungen zu finden sind.

Synonymenkontrolle

Durch S. wird in einem Thesaurus dafür gesorgt, dass alle Synonyme zu einer Äquivalenzklasse zusammengeführt werden und dass eines der Synonyme als Vorzugsbezeichnung festgelegt ist. Ziel: Informationen sind einheitlich unter einer von mehreren möglichen Benenungen zu finden. Von den anderen möglichen Benennungen wird auf die Vorzugsbezeichnung verwiesen.

syntagmatische Beziehungen (= auch syntaktische Beziehungen)

Syntagmatische Relationen bestehen in natürlichen Sprachen zwischen einander folgenden Wörtern oder Satzteilen. Entsprechend bestehen syntagmatische Beziehungen in Dokumentationssprachen zwischen den Deskriptoren, die Bestandteile eines syntaktischen Indexats sind:

  • Anis / ayurvedische Medizin
  • U-Boot / Ortung (durch) Zerstörer
  • Kernkraftwerk ; Abwärme ; Fließgewässer ; Ökologie

Erst der Inhalt individueller Dokumente stellt die Beziehung zwischen Bestandteilen eines syntaktischen Indexats her. So wird die paradigmatische Relation Bach : Fließgewässer bereits in einem Thesaurus als UB/OB abgebildet, weil sie dokumentunabhängig existiert. Dagegen wird die Relation Fließgewässer : Kernkraftwerk erst beim Indexieren hergestellt, wenn ein Dokument vorliegt, das diese Beziehung zum Inhalt hat.

Siehe auch paradigmatische Beziehungen

Syntaktische Indexierung <-> gleichordnende Indexierung

"... ist die Indexierungsmethode, bei der die dokumentspezifische Verknüpfung und/oder Rolle der Deskriptoren oder Notationen in der betreffenden dokumentarischen Bezugseinheit nach Regeln der Syntax kenntlich gemacht wird. (...) Beim Retrieval können die syntaktischen Operatoren eingesetzt werden."

Vgl. Rollenindikator

Quelle: DIN 31 623, Teil 1, Abs. 4.2.2

T

Taxonomie

Klassifikation. Die hierarchische Ordnungen von Gegenständen und Ereignissen in verschiedenen Wissenschaften. Beispiel: die Ordnung der Tiere und Pflanzen nach bestimmten gemeinsamen Merkmalen.

Terminologische Kontrolle

siehe kontrolliertes Vokabular

Thesaurus

"Ein Thesaurus [...] ist eine geordnete Zusammenstellung von Begriffen und ihren (vorwiegend natürlichsprachigen) Bezeichnungen, die in einem Dokumentationsgebiet zum Indexieren, Speichern und Wiederauffinden dient."

Quelle: DIN 1463, Teil 1, Abschnitt 2.2

Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Schatz". Mitte des 19. Jh. wird es zum ersten Mal im Sinne von Wortschatz verwendet - Roget's Thesaurus of English Words and Phrases

U

Universalklassifikation

nach DIN 32 705, 4.1.1: "ist ein Klassifikationssystem, das sich auf alle Wissensgebiete bezieht und Wissenseinheiten von einem universalen Standpunkt aus in einem System unter einheitlichen Gesichtspunkten zusammenordnet zur Benutzung für universelle oder spezielle Zwecke."

V

Verbindliches Vokabular

"Indexierung mit verbindlichem Vokabular ist die Indexierungsmethode, bei der die Deskriptoren oder Notationen verbindlich zur Benutzung vorgegeben sind (z.B. Thesaurus als verbindliches Indexierungsvokabular, Klassifikation). Indexierung und Suche sind damit unabhängig von der sprachlichen Formulierung der im Dokument enthaltenen Begriffe."

Quelle: DIN 31 623, Teil 1, Abschnitt 4.7.2

Indexierung mit verbindlichem Vokabular setzt voraus, dass Indexierer und Searcher dasselbe verbindliche Vokabular verwenden.

View-based Browsing (= Faceted Browsing)

Möglichkeit des Stöberns und gleichzeitig des Filterns in einer digitalen Sammlung: Die Suchoberfläche visualisiert unterschiedliche Sichten auf ein und dieselbe Sammlung von digitalen Objekten. Diese Sichten kann man mit Facetten gleichsetzen, daher auch Faceted Browsing.

Beispiel: Stöbern in einer Sammlung von (Musik-)Sounddateien. Sichten (oder Facetten) auf die Sammlung können z.B. sein: Interpret, Komponist, Stimmung, Genre, Jahr etc. Man kann die Suche aus einer Sicht, z.B. Genre, beginnen; man kann die Treffer durch Kombination mit einer 2. Sicht filtern, z.B. mit Stimmung. Man kann die gefilterten Treffer durch eine 3. Sicht verfeinern etc. Flamenco Fine Arts Search
ist ein Beispiel; probieren Sie es aus.

Vorzugsbezeichnung

... der für von mehreren äquivalenten Bezeichnungen für die Indexierung vorgesehene Deskriptor.

Beispiel: 'Heirat' und 'Eheschließung' sind äquivalent (Synonyme). Damit der Anwender alle Dokumente unter ein und derselben Benennung findet, entscheidet man sich für eine Vorzugsbenennung. Z.B. wird immer für den selben Sachverhalt die Vorzugsbenennung 'Eheschließung' verwendet.

Zerlegungskontrolle

Regeln zur Zerlegungskontrolle sind übliche Bestandteile von Regeln zur Thesauruserstellung. Präkombinierte Begriffe und Komposita werden in ihre Bestandteile zerlegt, um den Umfang eines Thesaurus nicht ausufern zu lassen. Unterschieden werden semantische Zerlegung und morphologische Zerlegung.



HAW Hamburg - Fakultät DMI
Department Information

30. April 2012 (updated)

Prof. Ursula Schulz